Lost places, urbex oder wie auch immer man es nennt…

Sie haben mich schon immer fasziniert. Orte, die eine Geschichte erzählen, die „den Menschen von heute“ kaum mehr interessiert. Orte, die irgendwann verlassen wurden, weil man sie für nicht mehr gut genug hielt. Altmodisch waren sie, vielleicht auch unpraktisch. Oder man konnte sich schlicht und einfach nicht einigen, wem sie nun gehören sollten. Und wenn keiner mehr Verantwortung dafür trägt oder tragen will, dann verfallen sie. Dann holt sie entweder die Natur zurück oder sie versinken unter einer dicken Staubschicht. Bestenfalls. Schlimmstenfalls hausen die Vandalen und plündern und zerstören, was doch so schön ist. Gerade weil der Putz bröckelt und alles so von gestern ist. „Shabby chic“ nennt man das, wenn man sich seine Wohnung selbst mit auf alt getrimmten Möbeln einrichtet, die Backsteinwände von Fabrik-Lofts wie abgeblättert gestrichen werden. Viel Geld kann man dafür ausgeben. Einfach um so zu tun als ob. Aber das „alte Neue“ ist lange nicht so reizvoll, wie das wirklich Alte, finde ich. Und verstehe nicht, wie man solche Schönheit zerstören kann. Wovon ich jetzt eigentlich rede? Von verlassenen, vergessenen, oft schon verfallenen Orten, die in meinen Augen einen solch morbiden Charme ausstrahlen, dass es mich immer wieder dort hin zieht. Ich kann die Stimmen hören, die damals durch die Gänge schallten, sehe die Menschen an Küchentischen sitzen oder versonnen aus dem Fenster sehen, in dem heute – mit zerbrochener Scheibe – noch immer ein alter Vorhang weht. Lost places nennt man sie heute. Wer danach sucht, ist ein Urbexer. Und es entwickelt sich irgendwie zum Trend. Einerseits schön, dass so viele solche Orte nun auch festgehalten werden, bevor sie ganz verschwinden. Andererseits auch traurig, dass auf diese Weise zu viele von diesen Orten erfahren, die sie letztlich zerstören, sei es, weil sie auf Souvenirjagd sind oder einfach nur, weil sie nicht wissen, wohin mit ihrer Energie, und diese Orte meist schutzlos sind.

Ganz egal, wie man es nennt. Ich werde weiter auf die Suche nach Orten im Dornröschenschlaf gehen. Und mich verhalten wie beim Tauchen: Ansehen, bewundern, fotografieren, vielleicht auch mal berühren, aber alles da zurücklassen, wo es hingehört.

Am Wochenende ists mal wieder so weit, ich freu mich schon!

Wer mich dabei begleiten will, ist herzlich eingeladen, auf notforgottenplaces.wordpress.com.

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5 Gedanken zu “Lost places, urbex oder wie auch immer man es nennt…

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