Mittelalterliche Gewandung für Eltern und Babys

Jedes Jahr im August ist bei uns ein Mittelalterfest. Seit ich 10 Jahre alt bin, gehe ich (mit einer kleinen Unterbrechung während des Studiums) beim großen Festumzug mit. Und es macht einfach Spaß, auch sonst an diesem Wochenende gewandet über den Lagerplatz zu schlendern, das ein oder andere bei den Händlern zu kaufen, allerhand Köstlichkeiten zu probieren und sich diverse Tourniere und Darbietungen anzusehen. Lange hatte ich mir mein Gewand in der Kleiderkammer für die Akteure und Umzugsteilnehmer ausgeliehen, mein Traum war aber immer, ein eigenes Kleid zu besitzen. Eine Freundin, die Kostümschneiderin ist, wollte mir vor ein paar Jahren eine Freude machen, und hat mir eines gemacht. Leider hatte sie das Schnittmuster vorher nicht mit mir abgesprochen, so dass das Kleid zwar wunderschön wurde, aber für das Fest nicht wirklich geeignet ist, da es eine Schleppe hat und diese sich nur sehr schwer so befestigen lässt, um – wenn es sein muss – auch über eine vom Regen aufgeweichte Wiese und unter Menschenmassen problemlos laufen zu können. Auch für meine Rolle als Marketenderin im Umzug wäre ich damit viel zu „overdressed“. Und so beschloss ich letztes Jahr, selbst ein Kleid zu nähen. Aus verschiedenen Schnittmustern, die ich im Netz fand, und eigenen Ideen entstand schließlich ein eigenes Schnittmuster, und im Stoffladen in der Nachbarstadt fand ich passende Stoffe, eine Kordel und Hakenösen. Mangels eigener Nähmaschine musste die einer Freundin „herhalten“, und da mein Mann damals noch besser nähen konnte als ich, war ich für das Zuschneiden des Stoffes und das Anbringen der Ösen, er fürs Nähen zuständig. Was dabei rausgekommen ist, war alles andere als perfekt (vor allem mit dem Halsausschnitt kamen wir nicht wirklich klar…), aber für eine Marketenderin nicht schlecht, denn die hatten vermutlich auch keine perfekten Kleider 😉 Zum Glück hatten wir es auch weit genug gemacht, so dass ich auch dieses Jahr trotz noch vorhandenem Nach-Schwangerschafts-Bauch bequem rein passte 😉

Für den kommenden Winter habe ich mir jedoch vorgenommen, ein neues zu machen. Es kann nie schaden, noch eins zu haben 😉

Mein Mann, der „zuagroaßt“, also aus weiterer Ferne zugezogen ist, hatte mit all dem bislang nichts am Hut, erst seit wir uns kennen, besucht er mit mir dieses Fest, zunächst „in Zivil“. Als ich mein Kleid hatte, musste für ihn aber auch ein Gewand her. Aus der Kleiderkammer konnte ich noch ein Hemd organisieren, die Hose nähten wir aus einem Leinenstoffrest aus einem schwedischen Möbelhaus. Zusammen mit einem Seil als Gürtel ganz ok.

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Für dieses Jahr wollte ich eigentlich noch selbst ein Hemd nähen, aber irgendwie habe ich immer für den Zwerg an der Maschine gesessen, und dann lief mir die Zeit davon. Aber nächstes Jahr soll auch mein Mann ein eigenes Hemd haben, das werde ich nähen, bevor ich mich an mein zweites Kleid mache. Das Schnittmuster habe ich schon, der Stoff ist auch schon vorhanden, ich habe einen riesigen Stapel alter weißer Laken, den ich vor Jahren vor dem Altkleiderkontainer gerettet habe. Die sind perfekt, gerade weil sie zum Teil nicht mehr perfekt, sondern schon gestopft oder mit kleinen Löchlein versehen sind…

Und dann war da dieses Jahr noch der Zwerg. Es konnte ja nicht sein, dass Mama und Papa gewandet sind, der Zwerg aber in lässiger 2016er-Klamotte daher kommt. Und so machte ich mich auf die Suche nach einem Schnittmuster für ein Baby-Gewand. Erst hatte ich speziell nach Jungen gesucht, aber nur Schnitte für Pagen-Oberteile gefunden, die mir für den Zwerg nicht gefallen hatten. Und dann stieß ich bei Oxymora auf dieses tolle Schnittmuster, das zwar eigentlich für Mädchen gedacht ist, aber in diesem Alter auch wunderbar von Jungs getragen werden kann. Liebe Oxymora, ich war so verrückt, das Schnittmuster – angepasst an die Größe des Zwergs – nachzunähen, aber nicht verrückt genug, das auch mit der Hand zu machen 😉 Da fehlte mir – wie dir – die Zeit. Und mein Mann näht zwar an der Maschine, aber nicht mit der Hand 😉 Als von außen sichtbare Bändchen habe ich ein altes Lederband von mir benutzt, welches ich früher zu meinem Gewand als Schuhband verwendete (so war es schon schön weich); als Innenbändchen bekamen Aufhängeschlaufen aus einem Rock (die ich immer rausschneide, aber schon seit ich denken kann – bis vor meiner Nähzeit ohne konkrete Verwendungspläne -, aufbewahrt habe) eine neue Aufgabe.

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Der Stoff ist ein Rest von Papas Hose, als weiteren Restchen und einer seilartigen Schnur habe ich so etwas wie Schuhe gewickelt (Leder und ein Muster für passende Schuhe wurden mangels Zeit dieses Jahr noch nicht verarbeitet). Dazu eine weiße Strumpfhose, die ich als Baby schon getragen habe, und Mützchen und Body in Naturweiß von Alana, ein Schnullerband aus einem Leinen-Stoffrest, und die Baby-Gewandung war perfekt 🙂 Und das Spucktuch passte auch noch…

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(Den Lederbeutel hatte ich noch auf die Schnelle genäht, aber auf dem Markt wurde ich dann endlich fündig und habe mir eine schöne schwarze Tasche gekauft, die vor meinen Augen gerade fertig gemacht wurde.)

 

Nächstes Jahr werde ich mir allerdings etwas Neues einfallen lassen müssen…

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5 Gedanken zu “Mittelalterliche Gewandung für Eltern und Babys

  1. Mitgehangen, mitgefangen — wer eine Frau aus Bayern heiratet, darf sich mit Sepplhosen und dergl. nicht schwer tun – und auch der Bub wird bald begreifen, dass Bayern ein außergewöhnliches Bundesland ist.
    Lasse es dir gut gehen, du Liebe mit deinem süßen Zwerg und sicher auch dem süßen Riesen

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    • Liebe Clara, das hier hat mit Bayern und „Sepplhosen“ nichts zu tun 😉 Und glaub mir, mein Mann hatte seine erste Lederhosn schon, da wohnte er noch gar nicht in Bayern. Der war, als wir uns kennenlernten, mindestens so gut ausgestattet wie ich… 😀
      Was den Zwerg angeht, hast du recht, der muss da durch 😉 Aber wie du siehst, nicht nur durch bayerische Tradition, sondern auch was unsere Hobbys (meines hier, Papas v.a. Fußball – er hatte selbstverständlich auch schon einen Deutschland-Body während der EM…) angeht. Aber trotzdem wirst du ihn – zumindest noch – viel häufiger im Marine-Look sehen, auch wenn wir nicht am Meer leben 😉

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  2. Pingback: Gugel für mittelalterliches Gewand – superschnell aus Fleecedecke | Was das Leben schöner macht - mit und ohne Babybauch :)

    • Ja, die Zwerge wachsen sooooo schnell! Aber jetzt im Winter brauchen wir ja nichts, und ich hoffe mal, nächstes Jahr ist das Wachsen nicht mehr ganz so extrem, dann könnte eines vielleicht den Sommer überdauern, wenn es anfangs noch etwas großzügiger ist 😉
      LG Sunny

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